July 26, 2013 Bukhoro, UZ, Uzbekistan

Das verr├╝ckte Land Turkmenistan

by Daniela , published on October 10, 2013

distance: 741.06km
duration: 65h 16min

Da wir nachmittags, einen Tag vor unserem Einreisedatum (22.07.13) im letzten Ort vor der Grenze in Bajgiran ankamen, hatten wir endlich mal ein bisschen Zeit zum faulenzen. Es gab für uns das letzte Abgusht mit Cay und Cola. Vor dem Eintreten ins Lokal, fragte ich den netten Wirten, ob es ohne Kopfbedeckung in Ordnung sei, ich fühlte schon meine Freiheit.

Ich saß im Restaurant und war ganz entspannt beim Leute beobachten. Nach einiger Zeit fällt mir auf, dass ich in den Fernseher starre. So saß ich da und schaute sicher 20 Minuten fern, ohne ein Wort zu verstehen. Man kann sich vorstellen, wie müde ich da war.

So hatten wir einen gemütlichen Abschluss im Iran und die letzte Mahlzeit sogar ohne Kopfbedeckung. Gezeltelt wurde kurz vor der Grenze, sodass wir am nächsten Morgen früh über die Grenze kommen, denn wir haben nur ein 5 Tages-Transit Visum für Turkmenistan.

Der Grenzübergang bei Bajgiran war wiedereinmal ein Erlebnis für sich. Wir mussten auf die turkmenischen Beamten warten, da sie gerade beim Essen waren. Danach wurden wir nach Messern, Pfefferspray und Fallschirm befragt. Meine Taschen wurden nur oberflächig kontrolliert, Christian musste leider alle seine Taschen ausräumen, sogar das Zelt mussten wir ausrollen (Parashoot?). So kam es, dass wir den ersten Tag unseres Visums bis 3 Uhr nachmittag an der Grenze verbrachten.

Grenzuebergang Turkmenistan und wir warten und warten...

Mit Freude schon bald wieder kurze Hose und kurzes Shirt und endlich das lästige Kopftuch abnehmen zu können gingen wir nach schneller Abfertigung der Iraner zu den Turkmenen. Beim Warten im Foyer der Turkmenen fing ich dann an mich auszuziehen. Man glaubt nicht wie ungewohnt es für mich war. Ich fühlte mich am ersten Tag richtig unwohl und nackt in meinen kurzen Sachen. So muss man sich vorstellen, wie sich eine Frau fühlt, die sich ab dem 9. Lebensjahr verhüllt.

Endlich waren wir mit der Grenzprozedur fertig und konnten 30 km abwärts fahren.

Die letzten Berge fuer eine Weile.

Zwischen Grenze und Ashgabat

Die Ausläufer des Elbursgebirges befanden sich im Niemandsland, es war menschenleer, nur Taxis fuhren manchmal hin und her. Ashgabad konnte man durch den weissen Mamor an den Häuserfassaden von Weitem sehen.

Die weisse Stadt von der Ferne.

Nach dem letzten Militärposten glaubten wir plötzlich in einer anderen Welt zu sein.

Das verrueckte Ashgabat, eine Strasse nur fuer uns.

Man fährt über eine Grenze und es verändert sich auf einmal so viel. Die Baustellen sehen professioneller aus und der Strassenbau scheint sehr fortgeschritten zu sein. Wir fuhren mit offenem Mund, vor lauter Staunen, in die Stadt hinein. Eine sehr breite, neu asphaltierte Strasse steht nur für uns zur Verfügung. Fast kein Auto war zu sehen. Sofort fallen uns all die neuen, hochglanzpolierten modernen Autos auf (Laut Erzählungen bekommen die Einheimischen mit dreckigem Auto eine Strafe). Der Asphalt ist perfekt, der Rasen ist perfekt, sogar die Schilder und Ampeln wurden auf schönen, verzierten Stehern montiert.

Ashgabat hat weltweit die meisten Gebäude mit einer weissen Mamorfassade. Durch das Erdbeben wurde fast die gesamte Stadt neu hochgezogen. Man sieht Parks mit irren Monumenten, das Buch des ehemaligen Präsidenten Turkmenbasy, goldene Statuen von ebendiesem.

Wir sind zu erst zu einem Supermarkt und es gab alles was das Herz begehrt. Nach langer Zeit auch wieder Mineralwasser. Wir wollten vor dem Supermarkt unsere Jause essen aber es wurde uns von wild pfeifenden Polizisten verboten. An jeder Kreuzung steht ein Polizist mit überdimensioniertem Hut, man wird von überall beobachtet. Fotografieren ist natürlich auch untersagt. Wir fuhren zum Bahnhof und versuchten einen Zugplan aufzutreiben. Wir wollten unsere 4 Tage gut planen, denn die Strecke zur Grenze ist lang und die Züge fahren hier langsam. Es war nicht möglich einen Zugplan aufzutreiben. Wir waren von Iran Hilfe und Offenheit gewohnt, die Turkmenen scheinen sehr zurückhaltend und irgendwie ängstlich zu sein. Man bekommt nach einer Frage einfach keine Antwort. Der Informationsschalter hatte offen, aber ich bekam keine Antwort, ich wurde ignoriert. Nach drei Stunden am Bahnhof schafften wir die Information über die Abfahrt eines Zuges in unsere Richtung zu erhalten. Schlussendlich bekamen wir unser Ticket für den nächsten Tag.

Nach dieser Odysse suchten wir uns ein Hotel. Wir hatten Pech, denn die drei Hotels in der mittleren Preisklasse waren ausgebucht. Gezwungendermaßen fuhren wir noch spät abends an die Stadtgrenze und schliefen im Zelt.

So und nun gehts mit dem Radln weiter.Wir wussten von vornherein, dass wir Turkmenistan nicht in fünf Tagen mit dem Fahrrad durchqueren wollen. Wir wollten aber das Gefühle des Fahrradfahrens in einer Wüste und in der Nacht mal erleben. Die geplante Fahrradroute läuft von Tejen nach Mary. Dafür nahmen wir den Zug von Ashgabat nach Tejen, ein Schlafabteil mit vier Betten, wobei wir dieses mit einer Oma und ihren 4 Enkeln teilen mussten.
Angekommen, es ist unbeschreibbar heiß.

Start in Tejen

Wir gehen in ein Restaurant mit russische Küche essen. Nach einem deftigen Essen konnten wir um 17 Uhr nachmittags starten. Es ist eigentlich noch immer zu heiß um weiterzufahren aber wir Radler haben immer Stress weiterzukommen, denn jede Stunde zählt.

Die Nacht ist gemacht zum Radfahren.

Hätte mir jemand im vorhinein den Zustand der Strasse beschrieben, ich hätte es nicht geglaubt. Wir fahren auf der Transitstrasse, auf welcher alle LKW's mit 30 km/h fahren. Der Asphalt ist aufgebrochen und schlägt jegliche Formen, wir fahren mit 12km/h dahin. Endlich hatten wir eine ebene Landschaft und man ist gezwungen langsam zu fahren. Da steigt einem die Wut schon mal hoch. Warum tun wir uns das an?

Kamelherde am Abend

 

Einsam

 

Wir sind den ersten Tag bis 22 Uhr abends gefahren, am nächsten Tag vor Sonnenaufgang wieder weiter und sind um halb zwölf mittags in Hauz-Han angekommen. Es war zu spät, wir waren komplett fertig von der Hitze und unsere Wasservorräte waren auch schon aufgebraucht. Ich erlebte zum Ersten mal, wie es sich bei glühender Hitze ohne Wasser anfühlt. Ich möchte es nie wieder erleben müssen. Die Landschaft wird mit Wasserkanälen für die Bewirtschaftung der Felder durchzogen. Brunnen mit Trinkwasser gibt es aber weit und breit Keine. In Hauz-Han gibt es ein Wasserreservoir, indem wir Touristen nicht baden durfte. Die Einheimischen wurden von den Polizisten durchgewunken aber wir sollten wohl etwas Geld zurücklassen. Es gibt aber einen kleinen Teich vor dem Reservoir, indem wir uns ohne Bestechung vor der Abfahrt Erfrischung holen durften. Wir verbrachten den ganzen Tag in Hauz-Han und versuchten tagsüber erfolglos in einer Jurte zu schlafen, denn wir fuhren diesmal in der Nacht weiter.

Die Schotterpiste ist besser als die alte asphaltierte Strasse.

In der Nacht zu fahren war spannend, nur leider meldete sich das Abendessen, meine ersten Somsa (Teigtaschen gefüllt mit Faschiertem und Zwiebel). Mir wurde schlecht aber ich konnte mich nicht übergeben. Ein Aufgeben gab es nicht in meinem Kopf, ich wollte durch die Nacht bis zum Sonnenaufgang fahren. Leider gab ich aber doch um 3 Uhr morgens auf, keine Chance weiterzufahren. Wir legten uns auf die neue, zukünftige Strasse, die neben der Alten schon teils fertig asphaltiert wurde und schliefen 3 Stunden. Der Asphalt strahlte wohlige Wärme aus und für den Verkehr hatten wir unsere Ohrenstoppel. Nach dem Nickerchen gings mir leider nicht besser. Was solls, wir müssen nach Mary! An den Sonnenaufgang habe ich wunderbare Erinnerung, an das Bauchzwicken und die Übelkeit möchte ich nicht mehr denken.

Von Mary fuhren wir dann mit dem Taxi, nachdem uns der Busfahrer nicht mitgenommen hat, nach Farab, ca. 20 km von der usbekischen Grenze entfernt weiter. Diese Gegend erhält Wasser von dem naheliegenden Fluss Amudarja und hat dadurch Bäume und Wiesen. Früher floss das Ende des Flusses in denn Aralsee, heute endet er in der Wüste davor und versickert. Wir fanden einen Zeltplatz bei einem wunderschönen, idyllischen Bauernhof. Der letzten Eindruck von Turkmenistan und auch von den Einheimischen war schön.

Wir lernten auch die in einer Konserve abgepackte Moloko kennen mhhh, Kondensmilch mit Zucker.