June 29, 2013 Tehran, Tehran, Iran

Entlang der K├╝ste des Kaspischen Meeres

by Daniela , published on August 24, 2013

distance: 915.48km
duration: 107h 2min

Von Tabriz sind wir mit dem Bus an die Kaspische Küste nach Astara und von dort mit den Fahrrädern weiter nach Chalus gefahren. Kurz vor Astara fährt man eine gigantische Abfahrt an die Küste hinunter. Es gibt hier durch das Elbursgebirge, welches sich über den gesamten nördlichen Bereich Irans erstreckt, einen Höhenunterschied von ca. 1000 Metern. Da wären wir gerne mit dem Rad runter gefahren...

Die Kuestenregion wird vom restlichen Iran durch das Elbursgebirge getrennt und hat dadurch ein ganz anderes, schon fast tropisches Klima. Es hat mich sehr an Thailand erinnert.
Im schmalen Bereich zwischen den Bergen und dem Meer wird fuer den gesamten Iran und den Export Reis angebaut

Leider hatten wir in dieser Etappe vier Tage Regen und unsere Kleidung benötigte zwei Tage zum Trocknen. Es war aber sehr erfrischend, sehr viele Bäume und ein sehr saftiges Grün.

Entlang der Hauptstrasse entdecken wir immer wieder hässliche Baustellen. Ob die jemals fertig gestellt werden?

Wenn ein Grundstück gekauft wird, so wird als erstes eine massive Ziegelmauer als Abgrenzung aufgestellt. So sieht man viele Mauern in den Wiesen herumstehen. Beim Bau eines Hauses wird zuerst das Stahlgerüst aufstellt und danach mit Ziegeln ausgemauert. Es muss nur die Strassenfassade verputzt werden, die seitlichen Wände können roh bleiben, was natürlich dem Strassenbild sehr schadet.

So ist uns auch manch Idiotisches im Innenbereich der Häuser untergekommen.

Der erste Abschnitt dieser Strecke war definitiv der Schönste und Unberührteste. So gerne wir auch in den kleinen Örtchen Eis und Zuckergetränke kaufen (da es kein Mineralwasser mit Kohlensäure gibt, bin ich schon nach Sprite und Cola süchtig geworden), so schön wäre die Gegend auch so manch ohne diesen Bauten.

Wenn wir früh starten sind wir meist schon um 10 Uhr morgens hungrig. Wir freuen uns dann immer wenn die Bäcker frisches Brot backen, welches wir dann lauwarm essen können. Manch ein Bäcker bietet uns dann auch noch guten Cay dazu an. 

Das wilde Campen ist hier einfach. Manchmal gibt es direkt am Meer einen Park aber meistens finden wir unser nettes Plätzchen in abgelegenden Bereichen.

Da es im Iran zum Frühstück kein gutes Brot gibt und wir nicht unbedingt schon morgens Fleischspiesse essen wollen, macht uns Christian nach einem Einkauf beim Nachbargeschäft ein traumhaftes Frühstück mit Ei und Tomaten.

Entlang der Küste durchqueren wir schönes Waldgebiet. Schöne hohe Bäume, die reichlich Schatten für eine Mittagspause abgeben. Wenn die Einheimischen mit dem Auto unterwegs sind, wird trotzdem mittags im Freien gegrillt. Es wird dabei ordentlich aufgetischt. Wenn man dann den Strassen- und Waldrand betrachtet, sieht man leider den Müll der nach so einem Pckinick im Wald zurückgelassen wird. Man kann es sich als Naturliebhaber nicht vorstellen. 

Wir kommen an ein Waldstueck, ein Park der sogar sauber gehalten wird. Hier machen wir unser Nickerchen.

An einem Abend hatten wir es schwer einen ruhigen Zeltplatz zu finden. Wir nahmen eine Seitenstrasse, entdecken wunderschöne Gebiete aber leider nichts zum Campen. Wir nahmen dann diesen Wald, der voller flaumbedeckter Samen war. Es sah richtig gespenstig aus.

Ich hatte immer die Vorstellung von grossen Spinnen

Schöne alte Gebäude findet man auch manchmal. In Bandar-e Anzali haben die Engländer so Einiges hinterlassen.

In Ramsar haben wir eine Pause eingelegt, sind am Abend um ca. 7 Uhr angekommen und gingen auf die Suche nach Hotels. Im Zentrum waren keine zu finde. Die Touristenburgen wurde alle ausserhalb der Stadt gebaut. Wir haben auf der Strasse einen netten Mann getroffen, der uns half das beste, preiswerteste Hotel zu finden. Unsere Ansprüche waren nicht hoch, wir wollten ein kleines Zimmer was nicht viel kostet. Der liebe Mann hat uns letztendlich bis elf am Abend begleitet. Er hat uns von einem Hotel zum Nächsten geführt und wir hatten komplett die Zeit verloren.

Er war ganz ein Lieber und hat uns für den nächsten Tag zu sich nach Hause eingeladen. Leider platzte die Einladung, da es einen Todesfall in seiner Familie gab und sie in seine Heimatstadt fahren mussten. 

In Ramsar sind wir dann drei Nächte geblieben, es gibt am Fuße des Berges heiße Quellen und wir gönnten uns einen Ausflug in die "Therme". Leider haben wir uns von der Therme zuviel erwartet. Es wird groß um diese Quellen herumgeredet und der Tourismus baut sich auch darauf auf, aber viel gemacht wurde dafür nicht.

Es gibt ein Gebäude indem aneinandergereihte abgenutzte Räume mit alten, verfliesten Badewannen zur Verfügung stehen. Aus einem Wasserhahn, wenn man es so nennen kann, kommt das sehr heisse Schwefelwasser, in dem man dann badet. Die Hygiene ließ zu wünschen übrig. Männer und Frauen sind getrennt. Ich war alleine in einem Raum. Nach so einem Hammam ist man ein bisschen erschöpft und würde sich gerne auf eine Liege legen und schlafen aber dort gab es nur Bänke im Freien. Mit einem weiteren Eintritt konnte man ein kleines Schwimmbad benutzen, indem das Becken mit Schwefelwasser befüllt war. Mir war es zu heiß, ich sah den anderen beim Baden zu. Leider war auch hier die Hygiene nicht besser. Die alten Frauen wuschen sich beim Beckenausfluß in einer Weise, als ob sie sich schon wochenlang nicht gewaschen hätten.

Es war gerade Urlaubswoche im Iran und die Orte an der Küste waren heiß begehrt. Daher waren die Strassen voll mit Autos. Zum Glück gibts hier eine dritte Strassenspur für langsame Verkehrsteilnehmer wie uns. Bei Chalus nahmen wir die Strasse nach Teheran und bevor wir in Richtung der Berge abbogen, machten wir eine Caypause am Strand.

Dort erlebten wir wie eine Familie versuchte gemeinsam mit den Kindern am Strand baden zu gehen. Die Frau ging mit langer Hose, langem Shirt und Kopftuch ins Wasser, der Mann spielte mit seiner Tochter. Die Mutter, der Vater und die Tochter waren gemeinsam im Wasser. Auf einmal kam die Strandpolizei und trieb sie schreiend und pfeifend aus dem Wasser. Nicht nur uns hat es in diesem Moment erschrocken. Es ist also nicht erlaubt gemeinsam mit einem Mann im Wasser zu sein, aber den wirklichen Grund wissen wir nicht. Es gab links und rechts von uns mit Planen abgetrennte Bereiche für Mann und Frau. Die Mütter müssen mit ihren Töchtern nach rechts und die Männer nach links zum Baden. So ist es einer Familie nicht mal erlaubt gemeinsam den Tag am Strand zu verbringen. Die Geschlechtertrennung wird schon bei den Kleinsten angewendet.

Auf den Straßenkarten sind viele Campingplätze sichtbar, doch wär es uns lieber gewesen den Campingplatz in Chalus auf der Karte zu übersehen. Durch unsere späte Ankunft in Chalus, es begann schon die Sonne unterzugehen, waren wir gezwungen, auch nach Suchen anderer Optionen, auf diesen Campingplatz zu schlafen. Was uns erwartete war eine Betonfläche, die rasterförmig auf viele kleine quadratischen Betonsockeln, die aus Zaun und Dach bestanden, aufgeteilt war. So versuchten wir unser Bestes mit diesen lustigen Häuschen. Da die Popupzelte der Iraner nicht wasserdicht sind, werden solche Betonsockel mit einem Dach gebaut. Diese Zeltpodeste findet man überall im Iran, die Iraner lieben es zu picknicken mit ihren Popup-Zelten. Wir suchten uns in der Mitte einen Platz und sind guter Dinge auch unser Zelt hier aufzustellen. Da wir unser Zelt nicht wie sonst im Boden verankern können, versuchen wir irgendwie die Schnüre am Zaun anzubinden. Christian hat es geschafft und hat uns ein feines Plätzchen gezaubert. Danach freuten wir uns auf eine Dusche, die es ja sicher irgendwo am Campingplatz gibt. Nach der Besichtigung der Sanitäranlagen wurde mir regelrecht schlecht und keine Dusche in Ausicht. Uns ist das alles egal, Geduld und Durchhaltevermögen ist wiedermal angesagt. Neben dem dröhnenden Menschenlärm und der "tollen" Automusik vom Nachbar machen wir uns wie gehabt das Wasser für unsere Dusche warm und gehen aufs Klo duschen. Geschlafen wurde mit Ohrstöpsel.

Fazit: Die Campingplatz an der Küste sollte man dringends umgehen. Lieber ein verlassenes Plätzchen auserhalb der Städte suchen. 

Wir fahren die Strasse von Chalus nach Teheran, eine Strasse vor der uns viele gewarnt haben. Die Urlaubswoche ist zu Ende und alle fahren wieder heim. Wir hoffen natürlich, dass wir vom Urlaubsverkehr verschont bleiben. Die Strasse ist nur zweispurig, viele Serpentinen und kein Pannenstreifen. Es war wirklich zuviel los und die Iraner nehmen keinen Rücksicht auf uns. Wir versuchten in der Mitte der Strasse zu fahren, damit die Autos langsamer werden. Nein, sie fahren im selben Tempo, hupen wie die Wahnsinnigen damit wir ausweichen. Naja, den ersten Tag werden wir schon schaffen und dann sehen wir weiter.

Entlang der alten Strasse entdecken wir einen schon fertiggestellten Autobahnabschnitt. Wir nutzen die Gelegenheit und heben unsere Räder über die Leitplanken. Die nächsten 15 km konnten wir somit auf einer leeren Autobahn fahren.

Das Teilstück scheint fertig zu sein. Ab und zu sahen wir auch die Einheimischen auf der Strasse fahren. Es wird geplant eine Autobahn bis Teheran zu bauen, aber wie es aussieht ist diese in 30 Jahren noch nicht fertig.

Wir schliefen eine Nacht in der Nähe von Marzanabad. In dieser Nacht, wir schliefen schon, wurden wir von einem starken Lichtstrahl aufgeweckt. Drei Polizisten standen vor unserem Zelt, fragten uns nach unseren Pässen und erzählten uns wie gefährlich es nicht wiedereinmal sei im Freien zu übernachten. Es stellte sich heraus, dass wir auf dem Areal der Polizei unser Zelt aufgestellt hatten. Wir können halt kein Farsi lesen! Christian konnte die Polizisten nach einer halben Stunde erfolgreich abwimmeln und wir versprachen ihnen uns am nächsten morgen bei ihnen telefonisch zu melden ob wir wohl auf sind.

Am morgen überlegten wir nicht lange, "wir nehmen uns einen Pickup". Die Situation auf der Strasse scheint uns zu gefährlich. Es war nicht einfach aber wir fanden eine Mitfahrgelegenheit auf einem Pickup.

Wie sich bei der Fahrt herausstellte wurde der Verkehr auf dieser Strasse immer schlimmer und wir waren glücklich über unsere Wahl. Unser Fahrer brachte uns bis zur Abzweigung nach Dizin. Der Hauptverkehr fährt über Karaj nach Teheran weiter. Wir fühlten uns an dieser Kreuzung wie gestrandet. Wir waren hungrig und bei einem Maisverkäufer kauften wir gebratene Maiskolben - die sich dann als verbrannt herausstellten, ich war genervt. Irgendwie wurde mir alles zuviel. Christian fuhr schonmal vorraus und ich mit meinem grantigen Gesicht hinten nach. Wir entdeckten schon bald einen netten Campingplatz, machten eine nette Bekanntschaft und meine Laune wurde wieder gut. 

Es war hier wirklich schön, ein idyllisches Fleckchen. Die Teheraner haben in dieser Gegend hier ihre Ferienhäuser.

Wir hatten einen anstrengenden Pass vor uns, jeder auf der Strasse versuchte uns zu erklären, dass es mit unseren Rädern passierbar wäre.

Wir haben es natürlich geschafft aber es war sehr hart. Es war ein wenig nebelig, manchmal regnete es und wir hatten viel Verkehr. Immer wieder die Jacke an und ausziehen. Ich bin noch nie soviele, so steile Serpentinen gefahren.

Die Aussicht wurde von Meter zu Meter schöner und ich genoß die Weite. Diese Region scheint das Skigebiet für die Teheraner zu sein. Es ist aber alles veraltet. Das Skihotel hat auch schon die besten Jahre hinter sich. Skifahren ist im Iran Luxus und deshalb wundert es mich, dass hier alles alt und verfallen aussieht. Am Gipfel sind wir beide glücklich angekommen. Es gab hier warme Suppe und Cay.

Nach einem längeren Aufenthalt gings los. Die Abfahrt war traumhaft. Leider schlechtes Wetter aber wir konnten immerhin etwas sehen.

Es wurde dann doch schon spät und wir entschieden uns im nächsten Ort ein Hotel zu suchen. In Shemshak, das Kitzbühel von Iran finden wir unser Skihotel.

Es wird hier viel gebaut, es scheint als ob die Gegend gerade erst angefangen hätte zu boomen. Leider wird auf das Stadtbild kein Wert gelegt.

Unser Skihotel befand sich direkt neben einem Skilift. Es wird gerade ein neues Skihotel gebaut. 

Kurz vor der Eroeffnung

 

Im Hotel

Bild im Hotel

So, der letzte Tag am Fahrrad für eine längere Zeit, denn in Teheran werden wir unsere Ausflüge in den Süden mit den öffentlichen Verkehrsmitteln machen.

 

Einen kleinen Hügel gab es noch vor Teheran.

Der letzte Anstieg vor Teheran.

Wir erhofften uns traumhafte Aussicht auf Teheran aber leider war die Luftverschmutzung zu hoch und ausserdem staubig und trüb.